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Zahnpflege ist besser als teurer Zahnersatz

Parodontitis ist eine Volkskrankheit, die mehrere Millionen Bundesbürger betrifft und sie ist - so die Bundeszahnärztekammer - die häufigste Ursache für den Verlust von Zähnen nach dem 45. Lebensjahr. Rechtzeitig erkannt und behandelt kann der Verlust aber zumeist verhindert werden.

Bei der Parodontitis handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats, die von Bakterien ausgelöst wird. Unbehandelt zerstört diese Entzündung Gewebe und Knochen und führt zum Zahnverlust. Darüber hinaus ist nach Angaben der Experten der Bundeszahnärztekammer eine unbehandelte Parodontitis ein Risikofaktor für diverse andere Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie sich diese Entzündungserkrankung verhindern oder auch heilen lässt.

Nach Aussagen der Bundeszahnärztekammer (BZAEK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) sind hierzulande mehr als die Hälfte der 35- bis 44-Jährigen an einer mittleren bis schweren Parodontitis erkrankt. Neben dem Alter gibt es diverse andere Kriterien, welche das Erkrankungsrisiko verstärken, wie zum Beispiel Diabetes, Stress und ein angegriffenes Immunsystem. Sogar Zungenpiercings können die parodontalen Bedingungen der Zähne in unmittelbarer Nähe negativ beeinflussen, haben Forscher der Universität Basel herausgefunden.

„Zigaretten und andere Tabakprodukte erhöhen das Risiko einer Erkrankung stark“, ergänzt Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZAEK, und bringt es auf den Punkt: „Das Rauchen aufzugeben – oder noch besser: gar nicht erst anzufangen – beugt aber nicht nur Parodontitis vor, sondern schützt auch vor vielen anderen Erkrankungen wie (Mund-)Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall.“ Übrigens: Nach Angaben der BZAEK sind hierzulande rund zehn Prozent aller Parodontalerkrankungen auf das Rauchen zurückzuführen.

So entsteht Parodontitis

Parodontitis entwickelt sich schleichend. Aufgrund einer falschen oder unzureichenden Mundhygiene bilden sich (Zahn-)Beläge, die sogenannte Plaque. Die Bakterien, die hier zu finden sind und die Säuren und Gifte ausscheiden, sind der Grund für die Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Wird diese Zahnfleischentzündung chronisch und dringt sie in tiefere Gewebeschichten vor, spricht man von Parodontitis. Typische Symptome sind Zahnfleischbluten, Rötungen und Schwellungen des Zahnfleisches sowie Mundgeruch.

Spätestens wenn diese Anzeichen auftreten, sollte man einen Zahnarzt aufsuchen. Wird nämlich die Krankheit frühzeitig erkannt, behandelt und regelmäßig kontrolliert, sind die Chancen gut, dass man deswegen keine Zähne verliert – eine entsprechende Mundhygiene vorausgesetzt. Außerdem sind eine Zahnfleischentzündung oder eine beginnende Parodontitis relativ leicht und schmerzarm zu behandeln. Laut BZAEK erhöht Parodontitis das Risiko einer Diabetes- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung und ist die häufigste Ursache für den Verlust von Zähnen nach dem 45. Lebensjahr.

Bei der Behandlung misst der Zahnarzt die Tiefe der Zahntaschen mithilfe des sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI), um abzuklären, wie weit die Entzündung fortgeschritten ist. Sind diese Zahntaschen tiefer als 3,5 Millimeter, steht eine Behandlung an. Dabei werden zuerst alle Keime und Beläge von der Zahnoberfläche entfernt. Daran schließt sich die Reinigung der Zahnfleischtaschen an, wobei hier unter Umständen operative Eingriffe notwendig werden. Die Entzündung lässt sich stoppen, indem man die Bakterienmenge in den Zahnfleischtaschen reduziert.

Optimale Mundhygiene ist die beste Vorsorge

Plaque ist ein also entscheidender Faktor für die Entstehung von Parodontitis. Das bedeutet: Jeder kann sein Erkrankungsrisiko senken und zwar zum Beispiel durch eine zuckerarme Ernährung und vor allem durch eine entsprechende Mundhygiene. Experten des KZBV empfehlen, dass der Zahnbelag regelmäßig – mindestens zweimal täglich – durch gründliches Zähneputzen entfernt und die Zahnzwischenräume täglich mit Interdentalbürstchen oder Zahnseide gereinigt werden.

Ergänzt werden sollte die tägliche Mundhygiene durch regelmäßige Zahnarztbesuche. Dabei hat jeder gesetzlich krankenversicherte Erwachsene einen gesetzlichen Anspruch auf eine Kontrolluntersuchung pro Halbjahr und auf das Entfernen von Zahnstein einmal pro Jahr. Zudem kann man alle zwei Jahre an einer Früherkennung der Parodontitis mithilfe des PSI teilnehmen.

Außerdem dient eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung (PZR) der Verhütung von Entzündungen – allerdings gehört diese nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das bedeutet: Sie wird von vielen Krankenkassen nicht oder nur zum Teil bezahlt. Gesetzlich Krankenversicherte erhalten jedoch einen umfassenden Kostenschutz für diese und andere Kosten einer Zahnbehandlung beziehungsweise für einen Zahnersatz, die die GKV nicht übernimmt, mit dem Abschluss einer privaten Zahnzusatz-Krankenversicherung.

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